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Wenn Pflege die Haut krank macht




Bloß nicht eincremen: Am besten heilt eine Periorale Dermatitis, wenn Betroffene ihrer Haut eine Art Nulldiät verordnen. Foto: Christin Klose - (c)dpa-infocom GmbH

Stuttgart (dpa/tmn) - Die Haut im Mundbereich spannt, es bilden sich kleine rote Pusteln, die jucken oder brennen. Doch wer mit extra viel Creme dagegenhält, tut seiner Haut womöglich nichts Gutes.


Denn bei der vermeintlich trockenen Haut kann es sich um eine Periorale Dermatitis handeln - und deren Ursache ist zu viel Pflege. «Die Periorale Dermatitis äußert sich durch entzündliche, gerötete, spitzkegelige Papeln oder Knötchen, die etwa ein bis zwei Millimeter groß sind. Sie können auch zu kleinen Flächen zusammenfließen, zu Bläschen werden oder fein abschuppen», erklärt Professor Cord Sunderkötter. Er ist Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Halle an der Saale.


Schwer zu erkennen


Das Tückische daran: Oft ist die Periorale Dermatitis nicht leicht zu erkennen, weil die Hautveränderungen nicht sehr stark sind. «Viele Patienten bekommen vom Hausarzt eine Cortisoncreme verschrieben», sagt Jens Tesmann, Dermatologe aus Stuttgart und Mitglied des Berufsverbands der deutschen Dermatologen. Mit Cortison werde die Periorale Dermatitis zwar schnell besser, so Tesmann - «aber sie kommt umso stärker zurück, wenn man die Creme absetzt.»


Doch was ist zu tun, wenn es um den Mund oder an den Augenlidern brennt, wenn es juckt und sich rote Knötchen zeigen? Auf keinen Fall sollten Betroffene selbst zur Creme greifen. «Periorale Dermatitis ist eine der wenigen Hauterkrankungen, bei denen man etwas weglassen muss, damit sie besser wird», sagt Sunderkötter. Anhaltender Gebrauch von Kosmetika, vor allem von feuchtigkeitsspendenden Cremes, ist bei Menschen mit entsprechender Veranlagung oft sogar Verursacher der Krankheit.


Treibhaus für pathogene Keime


Überpflege mit Gesichtswasser und Waschlotion oder auch stark deckendes Make-up seien weitere Auslöser, ergänzt Tesmann. Die Haut könne nicht atmen, unter der Deko-Schicht entstehe ein «Treibhaus für pathogene Keime». Früher nannte man die Periorale Dermatitis deshalb auch «Stewardessenkrankheit». Diese Berufsgruppe ist meist stark geschminkt, wechselt die Klimazonen und hat unregelmäßige Schlafzeiten. Und das alles bedeute Stress - für den Menschen und für seine Haut.


Dass privater Stress bei ihr den brennenden Ausschlag begünstigt hat, davon ist die Düsseldorferin Saskia Tieberg (Name geändert) überzeugt. «Es fing ganz klassisch an - mit kleinen roten Pusteln in Nähe der Mundwinkel», erinnert sich die 36-Jährige. Der Ausschlag wurde innerhalb weniger Tage deutlich stärker, die Pünktchen wuchsen zu roten Flächen zusammen.


Sechs Wochen lang kämpfte Tieberg mit dem Ausschlag - eine Zeit, die sie nicht noch einmal erleben möchte. Sie glaubt, dass ihre Periorale Dermatitis stressbedingt war. «Ich benutze seit Jahren die gleichen sehr milden und hautverträglichen Pflege- und Kosmetikprodukte. Es gab also keinen Wechsel, der verantwortlich gewesen sein könnte.»


Gereizte Haut


Doch genau das ist ein typischer Irrglaube: «Wer anhaltend Kosmetika verwendet, auch über Jahre dieselben Produktlinien, bei dem kann irgendwann der Zeitpunkt erreicht sein, bei dem die Haut sehr gereizt ist», sagt Sunderkötter.


Betroffene brauchen Geduld: «Die Periorale Dermatitis kann nicht schnell behandelt werden», sagt Dermatologe Tesmann. «Sie dauert Wochen. Darauf müssen sich die Patienten einstellen.»


Als Unterstützung empfiehlt Tesmann ich Betroffenen immer Schwarzteeumschläge: Einen sehr starken schwarzen Tee kochen, abkühlen lassen und dann ein darin getränktes dünnes Baumwolltuch auf die Hautstellen legen. Auch Cord Sunderkötter rät zu diesem Hausmittel. «Sollte es sich um eine sehr starke Form der Perioralen Dermatitis handeln, können Dermatologen auch eine entzündungslindernde Creme verschreiben.»



Autor: Christin Klose